Monat: September 2019

Seltenes Interview mit Charlie Lee, dem Erfinder von Litecoin

Charlie Lee ist nicht nur Erfinder der Kryptowährung Litecoin, sondern auch Informatiker, Ex-Google-Mitarbeiter, ehemaliger Student des renommierten MIT, Ex-Mitarbeiter der Kryptobörse Coinbase, und jemand, der nicht gerne Interviews gibt.

Umso erfreulicher, dass er sich jüngst persönlich zu Litecoin und Bitcoin geäußert hat! Exklusiv wollen wir die besten Passagen übersetzt hier wiedergeben.

Litecoin Logo3D

Unabhängig davon, dass „Kryptowährungen die beste Form von Geld aller Zeiten“ seien, reißt er darin auch alte Wunden wieder auf: gemeint ist das Skalierungsproblem von Bitcoin, das dazu führt, nur maximal drei bis sieben Transaktionen pro Sekunde zuzulassen. Kritiker werfen hier oft die Messlatte etwa von VISA ein. Hier sind theoretisch zwischen 2.000 und 56.000 pro Sekunde möglich. Lee meint dazu: kein Problem! Denn Bitcoin konkurriere auch gar nicht mit VISA direkt, sondern eine oder zwei Stufen höher mit Banken und Finanzinstitutionen selbst. Ein wichtiger Punkt, wie wir finden. Und wie groß der Gedanke bei der Erfindung des Bitcoin vor 11 Jahren war.

Vorteile sieht er wohl in der geringen Transaktionszeit und der geringen Höhe der Gebühren bei sehr großen Transaktionen; ein Umstand, dem der Daily User so gut wie nie begegnen dürfte. Auch ist ein Rückgängig machen nicht mehr möglich, was Lee hier als Vorteil sieht.

Lässt man den Aspekt der Transaktionen außer Acht, betrachtet den Bitcoin also als Wertanlage etwa wie Edelmetalle, dann könne man auch perfekt sehen, wie gut die Idee in der Praxis, entgegen vieler „Altcoins“, bereits heute funktioniere. Und: Gold habe derzeit eine Marktkapitalisierung von 10 Milliarden US-Dollar. Genug Raum für Wachstum für den Bitcoin, der hier noch um das 30-50-Fache darunter liege.

Wie immer wieder gerne erwähnt in der heutigen Zeit lässt Charlie Lee auch den disruptiven Charakter von Kryptogeld nicht links liegen. Zusätzlich zu den oben erwähnten „echten Wettbewerbern“ wie Banken fällt die Bemerkung, FIAT-Geld sei etwas, das einem nicht gehöre. Man könne es nicht „für Sachen verwenden, weil Regierungen sagen, du darfst das nicht.“ Auch es in Umlauf zu bringen sei „faktisch unmöglich“ gemacht worden. Dass man diesen Gedanken leicht missbrauchen könne, zeigt er in einem Beispiel und erwähnt das Schließen dreier Online-Poker-Websites vom April 2011. Die Betreiber kamen ins Gefängnis mit Verdacht auf Geldwäsche und Bankenbetrug. Lee meint dazu, Konkurrenten hätten sich hier wohl ungern die Umsätze abschöpfen lassen durch FIAT-Geld-betriebene Poker-Websites und erwähnt gar ein Lobbygruppe oder „Casinos aus Las Vegas“ direkt, wobei er hier konkrete Namen schuldig bleibt. Diese Problematik wäre durch Kryptgeld wohl erspart geblieben. Dabei fällt ein wichtiges und richtiges Zitat, das wir hier gerne in voller Länge wiedergeben wollen:

„I see cryptocurrency as freedom of money. Compared to the internet, for example, which is freedom of information. Cryptocurrency frees people’s money“

Was als Konzept mächtige Gegner hat wie Banken und Regierungen (oder Casinos), führt natürlich unweigerlich zu der Frage, ob Kryptowährungen unter dem Strich einen Nutzen für die Gesellschaft haben. Schließlich unterliegen Regulierungen des Geldes auch einem bestimmten Sinn, wo wir selbst von kryptogeld.io einhaken wollen: der Satz never change a running system kommt auch nicht von irgendwo her und wurde durch, oftmals auch harte und kriegerische, Erfahrungswerte gewonnen. Diese Empirie ist bei einem nagelneuen Geldkonzept aus dem Jahr 2008 noch gar nicht anwendbar und muss erst noch durch die Zeit gezeigt werden. Lee ist sich da schon heute sicher, dass die positiven Eigenschaften für die Gesellschaft überwiegen werden, weil „Geld einfach frei sein muss“. Er spricht dabei ganz direkt von einer „Zensur des Geldes“.

Zum Schluss des Interviews gibt es noch Ausblicke in die Zukunft: neben „fundamental neuen Wegen der Transaktion“, die man schon heute nutzen könne, soll primär die Adaption beim Endnutzer im Vordergrund stehen. Wir sehen das so, dass man sich wie bei einer Bankkarte, VISA oder PayPal einfach keine Gedanken mehr darum machen muss, was im Hintergrund passiert. Es soll so zu einem Bestandteil und einer Bereicherung des digitalen Alltags werden. Getreu dem Motto „für die Freiheit des Geldes“ und für Lee sogar Kryptogeld als „Reservewährung“ für praktisch jedes Individuum.

Mit diesen richtigen und wichtigen Gedanken verabschieden wir uns und bedanken uns für’s Lesen,
kryptogeld.io